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                               Demnächst kein “Münchner Bier”  mehr?!

Eine Schlagzeile, die gerade in Bayern wie ein Blitz einschlagen dürfte...

Aufgeschnappt aus der Mitgliederzeitung des Vereins Arche Noah aus Österreich, der sich für den Erhalt und die Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzt.

Was soll das nun alles heißen? Geht uns in Bayern etwa der Hopfen fürs Bier aus?

Nein, bei “Münchner Bier” ist die Rede von einer alten Nutzpflanzensorte, die schon seit 1882 im Handel ist und soeben zum Juni 2000 von der Sortenliste gestrichen wurde: dem wohlbekannten “Bierzelt”-Rettich “Münchner Bier”.

Also doch ein wahrer Angriff auf unser urbayerisches Kulturerbe, denn die Streichung bedeutet, dass das Saatgut dieser Rettichsorte nach einer Übergangsfrist von 3 Jahren vom Markt verschwindet. Erst nach 5 Jahren darf das Saatgut dann zum Sortenschutz und -erhalt wieder getauscht werden – ganz im Widerspruch zum Bekenntnis zur Artenvielfalt, das auch Deutschland 1992 in Rio de Janeiro, im Zeichen der Nachhaltigkeit, abgelegt hat.

“Münchner Bier” ist bei weitem nicht die einzige Sorte, der es so ergeht.

Für manchen Hobbygärtner durchaus vertraute altbewährte Gemüsesorten!

Was steckt dahinter?

Manchmal hat die Sorte keine Marktbedeutung mehr, ihr läuft die Zulassung aus oder aber sie wird von der Liste genommen, um neuen Sorten (oft Hybrid-Sorten, sogenannten F1-Hybriden, die nicht selbst weitervermehrt werden können) keine “Marktkonkurrenz” zu machen.

Was kann jeder einzelne tun?

In der Hauptsache gilt es, die 5 Jahre “Sperrzeit” zu überbrücken, indem man sich selbst um die Vermehrung der Sorte bemüht und diese im Bekanntenkreis weiter gibt.

Da das Saatgut der genannten Sorten bald aus dem Handel verschwindet, sollten Sie rechtzeitig nach diesen Sorten Ausschau halten und bald beginnen, selbst Samen abzunehmen, um die Sorten zu erhalten.

Besonders auffällig ist, dass bei manchen Kulturarten, wie etwa Zucchini, Gurken, Tomaten oder  auch Chicoree die hybriden F1-Bastardzüchtungen dermaßen auf dem Vormarsch sind, dass es davon schon (fast) keine frei abblühenden Sorten mehr im Handel gibt, die der Durchschnittsgärtner noch selbst vermehren könnte – er muss sich jedes Jahr aufs Neue das Saatgut im Laden kaufen.

Eine weitere wahrhaftige Stilblüte unserer monopol- orientierten Konsumgesellschaft?!

 

 

Vergleichende Qualitätsuntersuchungen von alten und neuen Gemüsesorten zur Entwicklung von Zuchtzielen für den ökologischen Gemüsebau
-ANHANG ZUM SCHLUSSBERICHT-

Herausgeberin:
Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) 53168 Bonn
Finanziert vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau

Auftragnehmer:
Institut für Pflanzenanalytik der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) und Verien zur Förderung der biologisch-dynamischen Gemüsesaatzucht „Kultursaat“

Diese Dokument ist über http://forschung.ökolandbau.de verfügbar.

Wir haben uns der Übersichtlichkeit halber vorbehalten hier nur einige Auszüge wiederzugeben:

Karotte
Oxheart:
Kurze, etwas konische abgestumpfte Form (Chantenay-Typ), uneinheitlich in der Farbe. Innen oft hell, weites Herz. Außen 50% grünköpfig, aber wenig grün innen. Geschmack süß, unterschiedlich im Aroma. Wohltuend nach Genuss, Magen stärkend.

Vorläufige Beurteilung der Methode der Geschmacksselektion:
Zur Methode: Es ist eine einfache, leicht handhabbare Methode - allerdings auch recht zeitaufwendig.
Man muss sich eine gewisse Erfahrung aneignen.
Bei Produkten, die roh gegessen werden können, wie die Möhren, ist sie verhältnismäßig leicht durchführbar. Mit der Geschmacksprüfung führt man eine sehr umfassende, komplexe Prüfung durch.
Man hat eine Gesamtwahrnehmung über den qualitativen Zustand der genossenen Frucht. So erfährt man etwas über den Reifezustand, die Fähigkeit einer Sorte Aroma zu bilden, und hat zugleich einen Eindruck von der Bekömmlichkeit.
 

Die Bonituren inklusive Geschmacksbonitur (DS1 und DS2) wurden an den Möhren zu drei verschiedenen Zeitpunkten durchgeführt (mit Ausnahme der Feldwiederholungen und Standortversuche). In die Datenbank ist nur die zum Erntezeitpunkt durchgeführte Bonitur aufgenommen worden. Bei Frühmöhren lag der 1. Termin vor der Erntereife, der 2. um die Zeit der Erntereife und der 3. in der Regel nach dem gebräuchlichen Erntezeitpunkt. Bei den Spätmöhren lagen zwei Untersuchungszeitpunkte während des Heranwachsens der Möhren, der 3. um den Erntezeitpunkt. Für die Geschmacksbonitur, die an jeweils 10 Einzelmöhren durchgeführt wurde, ergab sich so die Untersuchung an 30 Einzelmöhren je Sorte, bzw. Herkunft. Diese Geschmacksbonituren haben die bereits vorhandenen Erfahrungen erheblich erweitert.

Die Bonituren an Einzelmöhren hat den Vorteil, dass sich ein sehr differenziertes Bild ergibt (z.B.

Streuungen, Ausreißer). Zum einen kann ein einzelner Ausreißer (z.B. stark seifiger Geschmack) nicht die ganze Charge verderben, zum anderen kann man auf feinere Geschmacksunterschiede aufmerksam werden. Für die Selektion durch die Sensorik ist ohnehin die Einzelpflanzenuntersuchung wirksam um nur die bestschmeckenden Exemplare zur weiteren Fortpflanzung zu bringen.

Vergleich samenfeste Sorten mit F1-Hybriden
Bei F1-Hybridensorten wurden wir auf einige wichtige Nuancen aufmerksam:

1) Die meisten Sorten schmecken sehr süß. Der süße Geschmack verstärkt oder verdeckt die Wahrnehmung des Aromatischen. Ein Mangel an Aroma wird somit nicht immer ohne weiteres erkennbar.
2) Die meisten Hybridsorten haben ein sehr lasches Aroma. Es entsteht geschmacklich ein Gefühl der Leere.
3) Bei einigen Sorten tritt stark das überaromatische in den Vordergrund, was dann als seifig, scharf. kratzig empfunden wird und zu sofortiger Ablehnung führt (z.B. Kathmandu). Das Gefühl der Leere bleibt dennoch bestehen.
4) Hinzu kommt ein, von einer Einzelmöhrenuntersuchung zur nächsten sich steigender Widerwillen, der bis zur absoluten Ablehnung (Ekel) führen kann. Diese letzte Wahrnehmung ist bei keiner samenfesten Möhre aufgetreten, auch nicht bei den eigentlich ungenießbaren Sorte wie Cubic oder Blanche. Unseres Erachtens ist dieser Widerwille mehr eine Reaktion des Organismus, der eine nicht förderliche Nahrung ablehnt .
5) Bei den Untersuchungen mit bildschaffenden Methoden wurden die Hybridsorten häufig als vegetativ und unreif und schnell abbauend charakterisiert.
6) Die Untersuchung auf Bildekräfte zeigt Disharmonie auf.
7) Die Betrachtung des Züchtungsganges von Hybridsorten legt nahe, dass die gewollte genetische Einschränkung, die auf dem Wege der Erstellung der Inzuchtlinie entsteht durch den Kreuzungsvorgang zweier Inzuchtlinien nur in Bezug auf die vitalen Eigenschaften ausgeglichen wird (Heterosis). Hat man sich in bezug auf seine sensorischen Wahrnehmungsmöglichkeiten auf die in 1) bis 4) angeführten Beobachtungen eingelassen, kann man diese bei den Hybridsorten fast immer wiederfinden.

Es tut sich hier eine Frage auf, die dringend der Bearbeitung bedarf, wenn man sich um die Nahrungsqualität Sorgen macht, was eine der Grundlagen für den ökologischen insbesondere für den biologisch-dynamischen Landbau darstellt. –

Die folgenden Sauerkrautsorten Nr.13, 14, 23, 24, und 25 vergleiche ich mit der Sorte Holsteiner Platter.

In der Wuchsart fallen die durchweg höheren Werte beim Außenstrunk auf. Das bestärkt mich in der Erfahrung, dass mangelnde Erhaltungszucht zur Verlängerung des Strunkes führt.
(Stauchung und eine gute Kopfqualität gehören zusammen.), Ertraglich liegen alle genannten Sorten unter Holsteiner Platter, lediglich Nr.24 Unterpleichfelder scheint hier mithalten zu können. Dies Feststellung bedürfte aber der deutlicheren Verifizierung.

13 Zehetbauer:
Die Sorte hat ein gutes Sensorikprofil. Sie kam mit den Bedingungen des Moorbodens auf dem Obergrashof nicht zurecht. Bei den Geschmackswerten fallen besonders die geringere Süße und Fruchtigkeit und relativ geringer kohltypischer Geschmack auf. Auch in der Zuckeranalyse zeigen sich geringere Werte. Bestätigt wird dies auch durch die Bildekräfteuntersuchung.
Gegenüber HP erweist sich eine um 1,6 Punkte geringere Beliebtheit. Auffallend war der wenig ausgeprägte Nachgeschmack.
Das Geschmacksprofil 2003 hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert.

14 Premstättner Schnitt:
Liegt im scharfen Geschmack und Nachgeschmack deutlich über Nr. 05 HP, aber nur 0,8 Punkte niedriger in der Beliebtheit. Im vergangen Jahr wurde zur krassen Schärfe auch noch etwas Bitterkeit festgestellt, was die Beliebtheit der Sorte deutlich minderte (4,8). Die Schärfe korreliert mit einseitigen Bildekräften .

23 Merchinger Kraut:
Etwas bitterer als Premstättner Schnitt aber eher beliebter. Die Sorte liegt fast gleich in den Werten zu Nr. 05 HP. Positive Bewertung der Bildekräfte.

24 Unterpleichfelder:
Dieser Sorte fehlt etwas die Süße im Geschmack.
Sonst ist sie fast gleich wie Nr. 23. Mit ausgeprägten Bildekräften.

25 Ismaninger, Niedertaufkirchen:
Das Sensorikprofil kommt fast an das von Holsteiner Platter heran.

Die Sorten Nr. 13, 14. 24 und 25 sind eher flachrunde Sorten, stehen insofern der Nr. 05 HP nahe. Es ist also nicht sehr verwunderlich, wenn sie auch qualitative Ähnlichkeiten zu HP aufweisen.
Möglicherweise wurden in diese Sorten HP eingekreuzt.

Nr. 12 Thurner, Ekkharthof 2002 und Nr. 33 Thurner, Mauser 2003:
Trotz verschiedener Herkünfte ist die Sorte in beiden Jahren sensorisch gleich beurteilt, wobei die Einzelexemplare teilweise recht uneinheitlich bewertet wurden. Die Uneinheitlichkeit ist auch in der Bildekräfteuntersuchung festgestellt worden.

Nur im Jahre 2002 wurden noch die folgenden vier Sorten Einschneidekohl angebaut:

Die Sorten Nr. 11 Wädenswiler und Nr. 10 Isa von Mauser (Schweiz) waren im ersten Nachbau geprüft worden. Die Geschmacksprofile dieser bei den Sorten liegen sehr nahe an Holsteiner Platter, was für die gute Eignung dieser Sorte für die Herstellung eines wohlschmeckenden Sauerkrautes spricht. Eine bessere Einheitlichkeit wäre wünschenswert.

9) Braunschweiger Riesen, Austrosaat, erster Nachbau:
Die Neigung zu übergroßen sehr flachen Köpfen und die mangelnde Standfestigkeit aufgrund des dünnen Strunkansatzes machen die Sorte für den Umgang schwierig. In allen positiven Geschmacksmerkmalen fällt sie sehr deutlich ab gegenüber der Sorte Holsteiner Platter, mit der sie ja direkt verglichen werden kann. Sie ist im Gesamten auch um 2,8 Punkte weniger beliebt.

Es müsste sehr gründlich an dieser Sorte gearbeitet werden, wenn sie für einen verbreiterten Anbau in Frage kommen sollte. Sowohl die Untersuchungen mit Steigbild als auch die Bildekräfteuntersuchung weisen die Sorte als wertvoll aus.

Anhang 18: Diskussion der Ergebnisse bei Kohl aus Sicht der Züchtung15.03.04

1Aall Vergleiche Filderkohl Schäfer bei Schäfer gewachsen 1Aal Filderkohl Schäfer am Dottenfelderhof gewachsen 08 Filderkohl DH am Dottenfelderhof gewachsen

Der große ertragliche Unterschied zwischen Filderkohl (Nr.01Aall) in 2003 Schäfer Ibei Schäfer gewachsen und Filderkohl Schäfer/DH gewachsen (01Aal) rührt daher, dass es bei Schäfer keine Beregnung gab.

Die Außenstrunklänge ist bei Nr. 08 um y., reduziert, d.h. die Selektion auf kurzen Strunk = Standfestigkeit hatte Erfolg. Die Innenstrunklänge ist in gleichem Maße reduziert. Der Geruchs- und Geschmacksvergleich von 01Aall zu 01Aal und 08 zeigt den Vorteil der Anpassung an die klimatischen usw. Bedingungen ("Heimvorteil") der Sorte.

Die positiven Merkmale Geruch: süßlich, fruchtig, kohltypisch; Geschmack: fruchtig, nussig, kohltypisch und Beliebtheit liegen bei den angepassten Sorten 01Aall und 08 höher, bei "Fremdanbau" 01Aal niedriger. Die Bildekräfteuntersuchung bestätigt diesen Zusammenhang:

Ausgeprägte Formen bei den "angepassten" Sorten auf dem jeweiligen Standort - schwache Kräfte beim "Fremdanbau" .
Dabei kann man auch die Merkmale Geruch stechend, schwefelig und Geschmack scharf, in dieser moderaten Höhe als positiv werten, da diese Merkmale zu einem guten Kohl dazugehören. Dagegen ist der bittere Geschmack nur beim "Fremdanbau" 01Aal deutlich, obgleich das Wachstum hier ja wesentlich günstiger war.

Im Vorjahr waren die beiden Sorten/Herkünfte nur als Standortversuch zu vergleichen. Sie waren nahezu identisch in ihrem Sensorikprofil.

Bei der Sorte 02 Ramco F1 war trotz der deutlich höheren Süße beim Standort I DH die Beliebtheit (auch der fruchtige Geschmack) größer als bei Standort 11 Echterdingen. Sonst gab es nur wenig Differenzierung. (siehe Absatz 1 bei Filderkohl) Im Vorjahr fiel die Sorte Ramco F1 ebenfalls durch ihre Süße auf, es fehlte ihr der kohltypische Geschmack und die typische Schärfe.

Die Sorte 03 Krautkaiser F1 hat unter der durchgehenden Trockenheit auf den Fildern ohne Beregnung offensichtlich noch mehr gelitten, nicht nur im Ertrag, sondern auch in der Gesamtqualität.

Die Sorte Kraukaiser F1 war im vergangenen Jahr süßer, weniger bitter und grasig, aber auch weniger kohltypisch bewertet. Teilweise war ein widerlicher Beigeschmack bemerkbar.

Die Sorte 04 Oklahoma F1 ist nur im Jahr 2002 angebaut worden. Sie hatte eine sehr positive Bewertung erfahren, die dem Filderkraut nahe kam.

Schaut man auf die Beliebtheit, wird deutlich, dass die beiden Einschneidekohlsorten Ramco und Krautkaiser als F1-Hybriden deutlich geringer bewertet sind als das Filderkraut oder Holsteiner Platter.

Die Untersuchungen mit bildschaffenden Methoden weisen Ramco als instabil aus, Krautkaiser als vegetativ überbetont. Die Bildekräfteuntersuchung zeigt in den drei Sorten Ramco, Krautkaiser und Oklahoma sehr gegensätzliche Kräfte, die nicht zur Harmonie kommen konnten.

05 Holsteiner Platter Die Feldwiederholung mit dieser samenfesten, biologisch-dynamisch gepflegten Sorte zeigt relativ geringe Unterschiede. Lediglich beim Geschmack sind die Werte für fruchtig, nussig, grasig deutlicher unterschieden. Doch scheinen sich diese Unterschiede fast auszugleichen.

Die Sorte ist zusammen mit Filderkohl in der Sensorik die am besten bewertete. Dies wird durch die Bildekräfteuntersuchung bestätigt. Die Untersuchung mit bildschaffenden Methoden zeigt dies ebenfalls, wobei die Weichheit des Blattes z.T. als leicht instabil bewertet wird.

Sehr positiv bewerte ich die qualitative Ähnlichkeit der Selektionssorte 06 HP-rund zum Holsteiner Platten (HP). Letzterer galt mir bisher als die Sorte mit dem besten Geschmack. Dicht gefolgt vom Filderkraut.

Im Jahr 2002 fiel der Zuchtsstamm gegenüber der Sorte Holsteiner Platter deutlicher ab. Im Jahr 2003 wurde das neue Saatgut aus dem Jahr 2002 zum Anbau verwendet. Hier ist offensichtlich ein Qualitätsfortschritt zu verzeichnen, was sowohl in der Sensorik als auch in der Bildekräfteuntersuchung zum Ausdruck kommt.

7) Böhmerwaldkohl (35895) Genbank erster Nachbau:
Die Sorte hat ein ähnliches Geschmacksprofil wie Braunschweiger Riesen; nur ist die Schärfe noch deutlicher ausgeprägt. Die Sensorik weist die Sorte als verbesserungsbedürftig aus. Sowohl die Steigbilder als auch die Bildekräfteuntersuchung zeigen einen besonderen Charakter. Sie ist der Form nach ebenfalls dem Holsteiner Platter vergleichbar.

Lager-Weißkohl:

20) Dottenfelder Dauer:
Diese Sorte kommt nicht nur auf dem Dottenfelderhof gut zurecht, sondern offensichtlich auch auf Moorboden (Nr.20 Aalll Dottenfelder Dauer J.Jacobs) in andersartigem Klima. Lediglich die Schärfe ist dort etwas ausgeprägter.

Im vergangenen Jahr waren die positiven Geschmackswerte etwas niedriger, auch der Wert für die Beliebtheit. Insgesamt ergibt sich für die Sorte Dottenfelder Dauer ein sehr ausgewogenes klares Sensorikprofil. Dieses deckt sich mit den Rückmeldungen aus der Praxis, wo die Sorte bezüglich Ertrag und Geschmacksqualitäten positiv bewertet worden ist.

Steigbilder und Bildekräfteuntersuchung zeigen einen starken, stabilen Charakter.

21 Dowinda, in der Sortenanmeldung:
Die Sorte Dowinda ist sensorisch durchaus mit der Stammsorte Dottenfelder Dauer vergleichbar. In 2003 etwas weniger kohltypisch; deutlich weniger ausgeprägt ist das Merkmal Fruchtigkeit und stärker die Bitterkeit, die von Exemplar zu Exemplar stark schwankt. Dies spiegelt sich in der geringeren Beliebtheit wider. Möglicherweise hat die Randlage auf dem Feld einen ungünstigen Einfluss gehabt.
Im Jahr 2002 war die Sorte teilweise noch etwas schlechter beurteilt worden. Dagegen war der Vergleichsanbau auf den Fildern bei Echterdingen deutlich positiver in der sensorischen Bewertung.
Die Bildekräfteuntersuchung ergab einen starke Charakter.
In der Zusammenschau dieser Ergebnisse scheint die Sorte gegenüber Dottenfelder Dauer empfindlicher auf die Wachstumsbedingungen zu reagieren und kommt möglicherweise etwas später zur Reife.
Die beiden Sorten Nr. 20 Dottenfelder Dauer und Nr. 21 Dowinda haben die höchsten Werte im Gesamtzucker 2003.

26 Dänisches Lager:
Die Sorte wurde nur 2003 untersucht.
Wie bei Dottenfelder Dauer ist die Ausgangssorte auch hier Langendijker Dauer.
Die meisten sensorischen Werte sind etwas schwächer ausgeprägt als bei Dottenfelder Dauer.
Die Bitterkeit ist bei 2 von 5 Exemplaren stark ausgeprägt, was sich auch in der Beliebtheit niederschlägt. Die hier konstatierte sensorische Uneinheitlichkeit wurde auch in der Bildekräfteuntersuchung festgestellt.

15 Türkis:
Die Sorte hat in beiden Jahren ein positives sensorisches Profil, wobei im Jahr 2003 "süß" und "fruchtig" aber auch "scharf' stärker hervortraten. Die stark ausgeprägten Blattadern und ein ungutes Ergebnis der Bildekräfteuntersuchung erregen Zweifel an der Nahrungsqualität der Sorte.

16 Amager:
Diese Sorte ist der vorigen ähnlich. Ihr Sensorikprofil ist jedoch ausgeglichener und die Bildekräfteuntersuchung sehr positiv.

17 Lennox F1:
Diese Hybridsorte war in beiden Jahren angebaut. In beiden Jahren fehlt die fruchtige Komponente.
Im wasserreichen Jahr 2002 fehlt auch der kohltypische Geschmack. Der Außenstrunk ist hoch und ebenso der Innenstrunkanteil, wobei der Innenstrunk öfter schief steht und die Blattschichtung im Basisbereich locker. Die Bildekräftebewertung ist negativ.

27 Bartolo F1:
Im Sensorikprofil fehlt beim Geschmack das Fruchtige, dagegen tritt die grasige und muffig-faulige Geschmackskomponente deutlich hervor. Diese sensorische Feststellung korreliert mit den stark wässrig betonten Bildekräften.

Anhang 19: Züchtungsfortschritt und Ableitung von Perspektiven für die Züchtung für den ökologischen Landbau

Aus den einzelnen Darstellungen kann folgende Zusammenfassung versucht werden:

Für eine qualitätsorientierte Züchtung im Sinne des ökologischen Landbaus ist die Methode der F1-Hybridzüchtung eher zweifelhaft. Dagegen ist die Methode der Geschmacksselektion durchaus zielführend, wenn sie in den Züchtungsgang eingebaut wird. Allerdings muss diese Methode in mehreren aufeinanderfolgenden Generationen durchgeführt werden. Dass die Methode während der Erhaltung einer Sorte (Erhaltungszüchtung) ständig weitergeführt werden muss, ist zu vermuten, wäre aber zu prüfen. Die Methode kann durchaus noch weiter verfeinert werden und auf andere Arten ausgedehnt werden.

Die Unterstützung dieser Selektionsmethode durch sogenannte bildschaffende Methoden (Steigbild nach Wala, Kupferchloridkristallisation nach E. Pfeiffer) und der Bildekräfteuntersuchung nach Dorian Schmidt führt anscheinend noch tiefer in die Qualitätsproblematik hinein. Im Zusammenhang mit den sensorischen und hier angeführten Untersuchungsmethoden kommt der Verdacht auf, dass möglicherweise die Anbaumethode - ökologischer, bzw. biologisch-dynamischer Anbau - die qualitative Verbesserung der Sorten viel stärker und nachhaltiger beeinflusst als bisher angenommen.

Hier könnte sich ein wichtiges Forschungsfeld eröffnen, das - von heute gängigen Theorien abgesehen - von praxisnaher Forschung angegangen werden kann.

Für den ökologischen Landbau könnten hieraus wichtige Schlussfolgerungen erwachsen, die schließlich für die gesamte Landwirtschaft als Lebensmittelerzeugerin von Bedeutung sein könnten In jedem Falle wird jegliche Unterstützung der Züchtungsforschung für den ökologischen Landbau diesen fördern. Dem ernährungsbewussten Verbraucher und seiner Erwartung gegenüber den Produkten des ökologischen Landbaus kommen die Ergebnisse einer qualitätsorientierten Züchtung ganz gewiss entgegen.

Katalog: "Späte Reifegruppe, konische Form, 30-35 cm lang, hohes, starkes und gesundes Laub, industrielle Verarbeitung."

42 - Oxheart. erster eiqener Nachbau:
Katalog "Grüner Tiger": sehr dicke, ziemlich kurze orangerote Wurzeln ("OchsenherzForm"). Ungewöhnlich süß, wohlschmeckend. Alte Sorte aus Frankreich, bei Vilmorin 1885 erwähnt. 1992 aus USA, hatte dort auch eine zeitlang Bedeutung im Anbau, dann wieder verschwunden.
Eigene Beurteilung: mittelfrüh, wird bei längerem Stand unförmig. Kreiseiförmig, unten rund, Laub gut abgesetzt. Wohltuende Wirkung nach Genuss.

 Vergleichende Qualitätsuntersuchungen von alten und neuen Gemüsesorten zur Entwicklung von Zuchtzielen für den ökologischen Gemüsebau [Comperative investigations from old and new vegetable cultivars to the development of breeding targets for ecological agriculture]

Ulrich, D.; Borschel, K.; Hoberg, E.; Quilitzsch, R. und Schütz, W. (2004) Vergleichende Qualitätsuntersuchungen von alten und neuen Gemüsesorten zur Entwicklung von Zuchtzielen für den ökologischen Gemüsebau [Comperative investigations from old and new vegetable cultivars to the development of breeding targets for ecological agriculture]. Bericht, Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Bonn.

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Am Beispiel der Gemüsearten Möhren und Kohl wurden alte und neue Sorten sowie Sorten aus biologisch-dynamischer Selektion auf ihre Qualitätsmerkmale hin verglichen. Der Anbau erfolgte nach biologisch-dynamischen Landbaumethoden auf dem Dottenfelderhof in Bad Vilbel. Im Projekt kam ein breites Methodenspektrum zum Einsatz, das Geschmacksuntersuchungen mittels Humansensorik und instrumenteller Analytik umfasste. Diese Untersuchungen geben Aufschluss über die Zusammenhänge verschiedener äußerer und innerer Qualitätsmerkmale von insgesamt 39 Möhren- und 30 Kohlsorten.
Bei Möhren wurden durch die Humansensorik in beiden Jahren Hybridsorten (Espredo, Bolero) aufgrund ihrer hohen Süße als die jeweils beliebteste Sorte ermittelt. Diese Feststellung ist in Übereinstimmung mit Ergebnissen der Ernährungswissenschaft, dass allgemein eine Prefärenz zu sehr süßen Nahrungsmitteln zu verzeichnen ist.
Aus der Sicht des ökologischen Landbaus werden allerdings samenfeste Sorten bevorzugt, die neben dem süßen Geschmack auch ein typisches Aroma charakterisiert aufweisen. Die am Dottenfelderhof angewendete Selektion auf Geschmack zeigt hierbei insbesondere bei den Rodelika-Typen einen deutlichen Züchtungsfortschritt in Richtung auf eine höhere sensorische Qualität. Durch die Aromaanalytik mittels Festphasen-Mikroextraktion konnten die Terpene Myrcen und Caryophyllen als Negativkomponenten (Off-flavour) ermittelt werden. Hier sollte geprüft werden, inwieweit sich diese Inhaltsstoffe als Markersubstanzen für eine Geschmacksselektion eignen.
Bei Kohl zeichnet sich die Sorte Holsteiner Platter durch die höchste Beliebtheit aus. Zwischen dem Gehalt an Glusosinolaten (gesundheitlich positiv und negativ wirksame Inhaltsstoffe) und den anderen Qualitätsparametern, insbesondere dem Geschmack, besteht kein strenger Zusammenhang. Im Ertrag stehen die samenfesten Sorten gleichrangig neben den Hybridsorten. Eine weitere Bearbeitung bezüglich der Uniformität der samenfesten Sorten wäre aber wünschenswert.
Auf Grundlage der Ergebnisse können Ziele für eine qualitätsorientierte Züchtung im ökologischen Gemüsebau erarbeitet werden.